Handy-Portal | RSS | Twitter | Impressum | Kontakt | AGB

Alle ganz lieb beim Mediatalk 09

Die Fachhochschule des Mittelstands hatte gestern Abend im Rahmen der Veranstaltung „Mediatalk“ einige Mediengrößen zur Podiumsdiskussion eingeladen. Zum Thema „Wieviel ist Web-Wissen wert?“ trafen aufeinander: Hartmut Ostrowski, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG, Katharina Borchert, Chefredakteurin von derwesten.de (WAZ), Thomas Hallet, Leiter der WDR-Programmgruppe Wissenschaft, und Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland.

Aus einem Aufeinandertreffen von Giganten aus sich gegenüberstehenden Lagern wurde aber ein nettes Einvernehmen. Kaum kam der verspätet eintreffende Google-Vertreter Keuchen an (siehe NW-Artikel), saßen sie friedlich auf den Sofas und teilten mehr als oft ihre Meinung.

700 Vertreter aus Wirtschaft und Medien erwarteten Aussagen über den Wert von Wissen und nahmen den Titel der Veranstaltung wörtlich. Eine einzige Zahl ließ aber nur Keuchel verlautbaren: Die Einnahmen mit Google-Werbung auf deutschen Webseiten beliefen sich auf 1,5 Milliarden Euro. Davon ginge die Hälfte an seine Firma, womit er sehr zufrieden sei.

Einigkeit herrschte darüber, dass Google kein Wissensarchivar sei, sondern lediglich die technische Grundlage biete, um ein Verbindungen zu Wissensinhalten herzustellen. Dieses Einvernehmen widerspricht eigenartigerweise der öffentlichen Debatte, wonach der Suchmaschinen-Konzern oftmals als der „Kostenlos-Teufel“ dargestellt wird. Selbst von Ostrowski als oberstem Chef einer Mediengruppe, die ein Leistungsschutzrecht für Verlage befürwortet (siehe hier), kamen keine expliziten Einwände.

Vielmehr räumte er später, gegen Ende der Diskussion, ein, dass man von seiten der Online-Angebote zu Beginn des Internets den Fehler gemacht habe, alle Inhalte frei zugänglich gemacht zu haben. Nun besäßen nur noch Nischenangebote die Chance, Inhalte gegen Bezahlung anzubieten: „Für Nachrichten findet sich aber immer jemand, der sie kostenlos im Netz anbietet.“

Wie das Dilemma von sinkenden Einnahmen gegenüber dem Abwandern von Interessenten zu Gratis-Angeboten gelöst werden könne, wusste niemand so recht zu beantworten.

Katharina Borchert, die zum 1. April 2010 die Leitung von Spiegel Online übernimmt, konnte immerhin mit einigen anderen Vorurteilen gegenüber neueren Internetentwicklungen aufräumen. Die passionierte Twitterin wusste die Vorteile von Twitter herauszustellen, dass man nur bestimmten Nutzern folgen könne, die sie auf interessante Webseiten hinwiesen. Und konnte eine Studie zu Rate ziehen, die belegt, dass Nutzer von Sozialen Netzwerken wie Facebook oder meinVZ hierdurch in der Regel mehr soziale Kontakte im „echten Leben“ vorweisen können als gewachsene Freundschaften.

Etwas deplaziert wirkte Thomas Hallet. Der Familienvater erzählte von Abenden vor dem Fernseher, an denen er sich mit seinen Kindern plötzlich gleichzeitig jeweils vor dem Notebook sitzend vorfand. Obwohl er gehofft hatte, gemeinsam über die TV-Sendung reflektieren zu können.

So kam dann auch oft die Sprache auf Medienkompetenz und wie man diese am besten weitervermittelt. Als Hallet ein persönliches Suchbeispiel erwähnte, bei dem er bei Google die Begriffe „Schweinegrippe“ und „Impfung“ eingab und in den Ergebnissen nicht auf die erhoffte Lösung stieß, ob er sich denn nun impfen lassen sollte oder nicht, konterte der Google-Mann Keuchert scharf, dass dieses an der Suchkompetenz liegen könnte.

Doch das waren die Reibungspunkte dann auch schnell wieder.

Die Twitter-Nutzerin “Johannaontour” brachte ihre Eindrücke mit einer kurzen Nachricht auf den Punkt:

NW-Artikel:
Ostrowski & Co.: Experten erklären die digitale Welt
Kommentar von Jens Reddeker: Heilsame Offline-Stunden

Anderswo:
Media-Talk-Besucher Tobi schildert in seinem Blog seine Eindrücke


Geschrieben am Dienstag, 10. November 2009
Abgelegt unter Uncategorized.
Diskussion zu diesem Beitrag per RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können diesen Beitrag kommentieren oder einen Trackback von Ihrer eigenen Webseite setzen.

 

4 Kommentare zu “Alle ganz lieb beim Mediatalk 09”

  1. Alex Kahl - Social Media und Enterprise 2.0
    11. November 2009 um 00:54

    Gestern beim MediaTalk: “Was ist Webwissen wert?” @lyssaslounge @frischkopp…

    Auf der Bühne des Ringlokschuppens diskutierten im Rahmen des Media.Talks 2009 gestern die Chefredakteurin und Geschäftsführerin von “Der Westen” Katharina Borchert (ab 1.4.2010 allerdings Chefin von Spiegel Online), der Vorstandsvositze…

  2. kaeptnkarcho
    11. November 2009 um 13:12

    “Vielmehr räumte er später, gegen Ende der Diskussion, ein, dass man von seiten der Online-Angebote zu Beginn des Internets den Fehler gemacht habe, alle Inhalte frei zugänglich gemacht zu haben.”

    Darüber lässt sich doch eigentlich vorzüglich streiten.
    Es fehlte dann wohl an einem “internet-native” um der Diskussion etwas “Zündstoff” zu geben.

  3. Media.Talk 2009 – über Umwege zum Erfolg « Henning-Ohlsen.de
    14. November 2009 um 12:44

    [...] aufschlussreichen Beitrag rund um die Diskussion hat das NW-Blog veröffentlicht. Um es kurz und knapp auf den Punkt zu bringen: Unser Moderator Matthias Wolk hat zwar einige der [...]

  4. tobi.weinhorst
    15. November 2009 um 17:54

    WEB2.0-Wochenrückblick WK46/2009…

    Mal gucken wie lange ich das so durchhalte mit dem WEB2.0-Wochenrückblick. Ist ja schließlich schon die zweite Woche.
    Das große, abendfüllende Thema am Montag war wohl der MEDIA.TALK. Über den Abend haben ich schon meine Meinung veröffentlicht. A…

Kommentar abgeben:


-->