Mit Arminia und Blog5 gegen Hansa Rostock

Vor dem Spiel war Blogger und Twitterer LeSven am Kreisel Melanchtonstraße noch zuversichtlich, ein Spiel mit vier Toren Abstand zum Gegner zu sehen. “Den ersten Platz teilen? Pfui!” sagte er und spuckte symbolisch zur Seite. Die letzten Testspiele der Arminia und die neue Offensiv-Strategie vom Trainer Thomas Gerstner stimmte alle Fans hochjauchzend optimistisch.
Als Bielefelder Lokalpatriot wollte ich mir den Saisonauftakt ebenfalls ansehen. Leider besitze ich erhebliche Mängel in fußballerischer Sachkenntnis und bin Optimisten gegenüber meistens skeptisch. Daher konnte ich glücklicherweise die Macher von Bielefelds Arminia- und Fußballanekdoten-Blog Nr. 1 dazu überreden, mich in den Fanblock der Südtribüne zu begleiten. Skeptiker sind die auch, das wusste ich bereits.

Die Jungs vom Blog5 (”Lach- und Sachgeschichten rund um Arminia Bielefeld”): Sascha (links) und Thomas (rechts, auch bekannt als “Hippo”).
Für die ganz neu hinzu gekommenen: Der DSC Arminia ist nach der letzten Saison in die zweite Fußball-Bundesliga abgestiegen und es gab einen Eklat bei der Jahreshauptversammlung des Vereins, der darin mündete, dass der alte Vorsitzende der neue ist. So in etwa (damaliger Live-Stream ist hier dokumentiert).
Nun hofften alle Beteiligten auf eine Bewegung, bestenfalls hin in Richtung Wiederaufstieg. Nachdem wir uns auf der Tribüne eingefunden hatten, ließ das Spiel innerhalb der ersten 25 Minuten nicht darauf schließen, spannend zu werden. Selbst ein Laie wie ich bemerkte die hohe Frequenz an Fehlpässen, die die Arminen sich erlaubten. “Die müssen sich aber auch erst einmal noch finden,” sagte Sascha neben mir. “In der Konstellation hat der DSC bislang nicht gespielt.”
Bei diesen Worten fiel den beiden Blog5-Experten anscheinend eine personelle Ungereimtheit auf: Die beiden Publikumslieblinge Markus Schuler und Jonas Kamper standen weder auf dem Spielfeld, noch saßen sie auf der Ersatzbank. “Entweder die sind plötzlich verletzt, oder es gibt interne Reibereien,” lautete das Fachurteil.
Zunächst schien im Spiel selbst nichts zu passieren. Es bemühte sich hin und her über die Mittellinie. Währenddessen wagten wir einen Blick hinüber in die Ecke der Auswärts-Fans und zollten den vielen Mitreisenden Respekt. Das muss man sich einmal vorstellen: Es ist Montagabend, Rostock ist irgendetwas zwischen 425 und 566 Kilometer von Bielefeld entfernt und die Fans bekommen ihre Kurve trotzdem voll. Am Ende trugen die Gäste Trikots in den Farben von MoBiel, unserem ÖPNV-Anbieter: Grell-Orange mit Blau. Wir vermuteten, dass es sich um Tarntrikots handelte, da die Spieler damit vor der zeitweise eingeblendeten Bandenwerbung des Unternehmens beinahe verschwanden.
Ab der 29. Minute und Chris Katongos Tor durch Kopfball-Aufsetzer, nach seinem anschließendem Flik-Flak dazu war dann das Eis auf allen Seiten endlich gebrochen. Giovanni Federico tat in der 40. sein Übriges hinzu und ließ mit Orestes Kiefer ein weiteres Tor abfälschen.

In der Regel spricht Stadionsprecher Lothar Butkus die Namen der Torjäger über die Lautsprecher aus. Das tut er so, dass er die Vornamen nennt, daraufhin stimmen die Fans mit dem Familiennamen ein. Ich habe mir von Sascha versichern lassen, dass es heute das erste Mal gewesen sein muss, dass Butkus mit dem Nachnamen “Federico” begann. Worauf die Menge nicht so recht wusste, was sie nun antworten sollte.
Daran kann es aber nicht gelegen haben, dass die Arminen nach der Halbzeit ein Gegentor durch Kai Bülow kassieren mussten. Wir sahen dem DSC plötzlichen Kampfesgeist an und die Offensive wurde stetig stärker. Die Gespräche untereinander verstummten, wir blickten nur noch auf das Geschehen auf dem Feld. Ich ertappte mich dabei, wie ich sprang, in die Hände klatschte und sang.
Der einzige Torschütze der “Kogge” Rostock konnte sich wenig später nicht davon abhalten, Rüdiger Kauf im 16 Meter-Raum zu foulen. Darauf gab es einen Elfmeter. Den Mijatovic in der 59. Minute souverän im Netz versenkte.



Danach gab es noch ein wenig Fußball-Geplänkel, das Ergebnis schien geritzt. Den herrlichsten Moment bescherte mir der Schiedsrichter Marco Fritz. Als er bei einem Rostocker Angriff durch den Stürmer Retov bemerkte, dass er in der Schusslinie stand, beschloss er die Schildkrötentaktik: Abtauchen und hoffen, dass der Ball vorüber fliegt. Dennoch traf ihn der Fußball in sein Hinterteil und Fritz änderte dadurch ungewollt kurzzeitig die Angriffsrichtung (hier bei rp-online in einer kleinen Fotostrecke zu sehen). “Herrlich,” hörte ich Sascha neben mir. “Bei solchen Situationen geht mir das Herz über.”
Bei diesem Spielstand blieb es dann auch. Nach dem Schlusspfiff erhielt Sascha eine SMS von einem Bekannten. Der hatte das Spiel auf DSF gesehen und berichtete von dem ersten Interview, das Federico dem Sender gegeben hatte. Auf den Gegner angesprochen, berichtete der Torjäger offenbar: “Cottbus stand gut.”
Bis zur Spitze konnte die Arminia sich am ersten Spieltag noch nicht vorarbeiten. Noch müssen wir uns einen Platz teilen. Und zwar den dritten, mit Energie Cottbus.
“Wir sollten immer zweite Liga spielen,” sagte Hippo nach dem Spiel beim Bier auf dem Siegfriedplatz. “Dann erlebt man auch mal solche Erfolge.”
Ob er das im Scherz sagte? Ich glaube schon.
NW-Artikel:
Bielefeld feiert ersten Saisonsieg
Anderswo:
Blog5- “Cottbus stand gut”
Herr Nashorn: So gut wie seit Langem nicht mehr
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Geschrieben am Dienstag, 11. August 2009
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11. August 2009 um 08:03
Schöner Bericht.
Zwei Korrekturen: Stadionsprecher 1 (aufstellung, interviews etc) heißt schmitti, stadionsprecher 2 (tore) lothar butkus. Schüler ist zum glück nicht mehr dabei.
11. August 2009 um 10:15
Schön. Schön! SCHÖEN!
11. August 2009 um 10:35
Natürlich bekommt Rostock die Kurve voll. Bei der Arbeitslosequoten die das herrscht, müssen ja wenigsten heute arbeiten.
11. August 2009 um 10:44
@Mischa: Danke, ist korrigiert.
11. August 2009 um 11:07
@airsign: Die haben gehört, dass es hier im letzten Heimspiel Sitzkissen und Krachmacher gab. Da wär’ ich auch 500km gefahren, um so was zu kriegen.
11. August 2009 um 18:21
Wusste gar nicht, dass eine blaue Magnetschwebebahn das Stadion umkreist (die auf dem Foto ganz oben zu sehen ist) …
12. August 2009 um 09:16
Schön, daß du die Fotostrecke mit dem Schiri gefunden hast. Die Situation hatte ich schon wieder ganz vergessen. Dort steht beim letzten Bild:
Unbeeindruckt zeigte er sich auch von den Gesängen des Publikums: “Das war super, das war elegant”
18. Januar 2010 um 18:56
[...] Hanseaten konnten wir am zehnten August des vergangenen Jahres unseren ersten Heimsieg verbuchen (siehe Blogeintrag “Mit Arminia und Blog5 gegen Hansa Rostock”) und wir wollen hoffen, dass die Mannschaft nach ihrem Formtief vor der Winterpause wieder zu sich [...]