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Der gute Ton im Internet

79050918_b579602cdcUnd plötzlich hing der Haussegen zwischen zwei Blogs aus der Region schief. Heute morgen hat Andreas vom Lippstadt-Blog in den Kommentaren des Bielefeld-Blogs kritisiert, der dortige Schreiber “textexter” würde sich zu oft und zu weit vom vorgegebenen Thema, nämlich dem Geschehen in der Stadt Bielefeld, entfernen. Darüber hinaus monierte er den polemischen Stil, der seiner Ansicht nach im Bielefeld-Blog an der Tagesordnung ist (“Aber ich persönlich lese lieber Blogartikel, die nicht nur einfach meckern“).

Den Vorwurf, zu weit über den Tellerand hinauszusschauen, tut der “textexter” mit der Begründung ab, Bielefeld würde kaum spannende Themen bieten. Seinen Schreibstil verteidigt er damit, dass er wenig hält

“…von Kommentaren, die rechts und links Streicheleinheiten verteilen möchten, weil es vielleicht ein wenig wehtut, die Wahrheit über den gegenwärtigen desolaten Zustand von Wirtschaft und Politik zu dokumentieren.”

Der Tonfall zwischen beiden wird daraufhin etwas rüder, artet aber nie in eine persönliche Beleidigung aus. Letztendlich kommen beide zu dem Schluss, dass sie unterschiedliche Geschmäcker haben, worauf Andreas dann im Lippstadt-Blog gesondert erklärt, sein Abonnement des Bielefelder Pendants zu beenden.

Es hätte auch anders ausgehen können. In Online-Foren und unter YouTube-Videos werden nicht selten die unflätigsten Beschimpfungen gesichtet. Allerdings werden diese dann meistens wegen der Überschreitung von AGBs bald von den Betreibern gelöscht. Oder sie werden von den anderen Nutzern zur Aufrechterhaltung des Friedens ignoriert. Die oben genannten Blogschreiber sind erfahren, sie wissen, wo bei Meinungsverschiedenheiten die Grenzen liegen.

Familienministerin Ursula von der Leyen hat nun im Interview mit der Rheinischen Post angekündigt, dass sie einen Verhaltenskodex für Kommunikation im Internet erarbeiten möchte. Natürlich zum Schutze der Jugendlichen. Was die Ministerin dabei übersieht, ist: Den gibt es bereits! Er nennt sich “Netiquette” (oder bezogen auf Chats “Chatiquette”) und basiert auf einem Konsens über Verhaltensempfehlungen für alle Teilnehmer einer Online-Kommunikation. Der Grundtenor dieser Regeln lautet: “Auf der anderen Seite sitzt ein Mensch!

Viele Blogger weisen heute auf genau diese bereits bestehenden Regeln hin. Der Schockwellenreiter nimmt die Forderung der Ministerin, der Umgang im Netz solle so respektvoll wie im Schulalltag sein, zum Anlass, auf das Leben außerhalb des Netzes hinzuweisen:

Schulalltag? Okay, ich lausche mal eben zum Schulhof gegenüber: »Ich hau dich Fresse, du Opfer!« Nee, Zensursula, da soll das Internet lieber so bleiben, wie es ist. Ganz ohne Verhaltenskodex. Funktioniert einfach besser und höflicher.

Würden die Autoren von Lippstadt- und Bielefeld-Blog nicht um diese Umstände wissen, würden sie sich auch weiterhin verbal zerfleischen. So gehen sie jetzt ihrer Wege. Wenn auch gegenseitig ignorierend.

Links:
Bielefeld-Blog.de – Finale einer Zockerseele (Kommentare)
Lippstadt-Blog.de – Bielefeld-Blog flog soeben aus meiner RSS-Liste

Rheinische Post – Von der Leyen: Verhaltenskodex für soziale Netzwerke
Standard Tolleranz Maschine – Ursula von der Leyen fordert Verhaltenskodex fürs Internet
Basic Thinking Blog – Netiquette
blog.unkreativ.net – Ach, Zensi…
Der Schockwellenreiter – Neues vom fleischgewordenen Blondinenwitz
Emanuel Kluge – Bisher war es schwer ohne Verhaltenskodex im Netz.

(Bild: Axel Rouvin, Lizenz)


Geschrieben am Donnerstag, 23. Juli 2009
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7 Kommentare zu “Der gute Ton im Internet”

  1. blog.unkreativ.net
    23. Juli 2009 um 16:18

    Ach Zensi……

    Meine liebste Zensursula, was mache ich nur mit Dir?
    Und was machst Du mir mir?
    Irgendwie läufst Du dem Blogger, der nicht genannt werden will, den Rang ab. Was vermutlich daran liegt, dass er relativ konstant das Gleiche macht, während Du immer wie…

  2. Der G.
    23. Juli 2009 um 16:45

    Der richtige Artikel zur richtigen Zeit.

    :-)

  3. Mischa
    23. Juli 2009 um 17:20

    Das geht auch in groß: http://www.focus.de/kultur/medien/medien-ard-granden-streiten-sich-im-internet_aid_419918.html

  4. Rouven (Author)
    23. Juli 2009 um 21:59

    @Mischa: Hm, vielleicht gar nicht mal größer. Aber ähnlich, nur anders gelagert.

  5. Mischa
    24. Juli 2009 um 11:48

    Richtig, meinte eher, dass es bei der ARD größere, weil verbreitetetetetetetetere Kreise zieht ;)

  6. Rouven (Author)
    24. Juli 2009 um 14:56

    Auf die ARD-Geschichte wünsche ich mir eine Parodie mit Redakteuren von 9live.

  7. textexter
    1. August 2009 um 09:48

    Oh :-) Wir abbe gar keine ErrEssESS-Fied von Lippestadte-Block, die wir kündige könne. Was solle wir nun tun? Darf Tellerrand von Bielefeld nich bisse Lippestadt reiche?

    Mag doch ein jeder subjektiv in “seinem” Blog schreiben, was er mag und kommentieren, wie er mag. Und gut ist. Wer einen Blog nicht lesen will, der läßt es eben. Gibt ja keinen Zwang zum Bloglesen.

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