Es ist ein iPad
Nun ist es also raus. Steve Jobs, Apple-Konzernlenker und Sweatshirt-in-die-Jeanshosen-Stecker von Berufswegen, verkündete gestern die Lösung des Rätsels, über das die halbe Internetwelt seit Tagen spekuliert: Der neue, tablettförmige Apple-Rechner wird “iPad” heißen. Bei dem iPad handelt es sich um ein Gerät, das von seiner Funktion her im Prinzip nichts weiter ist als ein vergrößertes iPhone. Mit ähnlichem Betriebssystem und der gleichen Möglichkeit, die sogenannten App-Anwendungen dafür zu erwerben. Der Vorteil gegenüber dem iPhone liegt im größeren Display, der Akkulaufzeit von – angeblich – bis zu zehn Stunden und der Möglichkeit, elektronische Bücher zu erwerben und darauf zu lesen, analog zur Musik mit dem bereits bestehenden Programm iTunes (genauere Analyse bei der NW hier).
Tablettförmige PCs gibt es schön seit Längerem. Allerdings waren die in der Regel etwas teurer (das iPad gibt es ab 499 US-Dollar) und die Akkulaufzeiten waren meist kürzer.
Aber werden die Konsumenten deshalb jetzt in die Läden rennen und das neue Gerät unbedingt kaufen wollen? Es gibt darüber einige Zweifel.
Steve Jobs’ Rede auf der gestrigen “Keynote” beinhaltete überschwängliche Worte wie “amazing”, “awesome” und “exciting” in hoher Frequenz, jedes Mal erneut, wenn er eine andere Möglichkeit des iPads vorstellte. Doch das ist nichts Neues, so läuft das auf diesen Veranstaltungen von Apple stets ab. Auch nicht der Umstand, dass die Apple-Fanboys im Publikum alles mit Applaus und Jubel goutieren, als würde ihnen soeben das neue Weltheil verkündet. Nicht umsonst werden Befürworter von Produkten des Konzerns als “Jünger” bezeichnet.
Es gibt seit geraumer Zeit die Ansicht, dass “Apple-Jünger” zunehmend kritikunfähig sind. Im letzten Dezember berichtete heise.de über eine dänische Firma, die iPhone-Fans auf 20 Mängel des Geräts hinwies. Die Anhänger wollten diese anscheinend nicht wahrnehmen, weshalb ihnen das Stockholm-Syndrom attestiert wurde (siehe Artikel hier). Eine subjektive Beobachtung meinerseits ist, dass in meinem Bekanntenkreis häufiger von Schäden an Apple-Geräten als an anderen Rechnern berichtet wird, diese dann lange Zeit in Reperatur (mit nicht unbedingt vorzüglicher Bedienung) sind. Geklagt wird darüber aber nicht. Der Blogger Don Dahlmann ließ sich einstmals, im Macintosh-Kontext, zu der polemischen Äußerung hinreißen, er bräuchte seinen Rechner eher zuhause als in der Werkstatt (siehe hier).
Die abprallende Kritik erzeugt aber auch schöne, humorvolle Kreationen. Zu der jüngsten Debatte um Körperscanner (unter anderem hier im Blog) erschuf Bulo einen hübsche Karikatur über den “Apple-Wahn” (siehe Link hier):

Bei all den schönen Dingen, die das iPad vielleicht kann, darf nicht vergessen werden, dass es noch andere Hersteller neben Apple gibt. Und der überragende Großteil der Anwender nutzt nun einmal Alternativen und ist mit ihnen höchstzufrieden. Kaum begann aber die gestrige Keynote, war das iPad bei Twitter und in den Blogs das vorherrschende Thema und wurde rauf- und runtergefeiert. Peter Sennhauser gebietet dem Applaus bei netzwertig.com Einhalt (siehe Link hier) und rät zu ein bisschen mehr Kritik, insbesondere dem Geschäftsmodell Apples (weswegen Sennhauser Steve Jobs u.a. einen “kontrollsüchtigen Egomanen” nennt) gegenüber.
Zum Nutzen des neuen iPads gibt es bereits Stimmen, die ihm – wegen seines vielfach zitierten Lückenschlusses zwischen iPhone und MacBook – ein Dasein als “Couch-Gadget” prophezeien: Ein Rechner, der neben dem Sofa liegt und in dem sich kurz einmal etwas nachsehen lässt. Besser geeignet als ein Notebook, da man beim iPad kein Display aufklappen muss, dass die Distanz zum Gesprächspartner erhöhen könnte. Das scheint mir in der Tat einer der wenigen offensichtlichen Nutzen zu sein. Und das wäre purer Luxus.
In der Öffentlichkeit dürfte damit nur selten jemand zu beobachten sein. Oder glaubt hier irgendjemand tatsächlich, dass damit morgens Leute zu sehen sein werden, die mit dem iPad in der Stadtbahn Zeitung lesen?
P.S.: Wie ich soeben in den Blogs “Nerdcore” und “Kochsiek” gesehen habe, gab es bereits vor zwei Jahren ein “iPad”. Das hatte allerdings eine andere Funktion. Die amerikanische Ausgabe der Satirezeitschrift “MAD” hatte dafür eine interessante Verwendungsweise*:
* “Pad” steht im Englischen unter anderem für “Tampon”
NW-Artikel:
Apple setzt beim iPad auf die Erfolgsgeschichte des iPhone
Analyse: Apple will den Erfolg vom iPhone klonen
Anderswo:
Heise Online – Berater: iPhone-Fans leiden unter Stockholm-Syndrom
Netzwertig – Steve Jobs als Messias einer Branche
Geschrieben am Donnerstag, 28. Januar 2010
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28. Januar 2010 um 13:23
Wo wir schon bei Apple sind … wie die Firma mit Reparatur-Geräten, die aus Raucher-Haushalten stammen, umgeht ist auch nicht grade die feine englische …
http://kochsiek.org/blog/2009/11/25/apples-garantie-verstandnis/
Zum iPad: Seit ich mal einen iPod (classic) geschenkt bekommen habe und mir nach ca. 1 Jahr dann einen iPod touch gekauft habe finde ich Apple Geräte (zumindest den iPod) eigentlich ganz nützlich – als Spielzeug. Ein iPhone würde ich auch gerne mein Eigen nennen, aber das kann man ja nicht bezahlen (ohne gleich einen immens teuren Vertrag an der Backe zu haben).
Von daher haben wir mit dem iPad jetzt die Lösung! … Fehlt nur noch, dass jemand das passende Problem dazu findet.
Gruß,
Jens
28. Januar 2010 um 15:51
Lieber Rouven,
dieser Artikel zeigt, dass Du Dich mit dem Thema nicht wirklich auseinandergesetzt hast und – wenig überraschend – einfach nur die polarisierende Haltung des Apple-Verweigerers einnimmst. Da bist du nicht besser, als die Jubler. Denn der iPad ist eigentlich genau das richtige Gerät für jemanden wie dich. Es kann alles, was ein Gerät können muss für jemanden der viel online unterwegs ist: Relativ klein, gut in der Handhabung und mittels kabelloser Tastatur schnell zu einem vollwertigen Schreibgerät umgerüstet. Zudem Dank integriertem GSM-Modem jederzeit online! Es verzichtet auf jeglichen Schnickschnack, den „normale Rechner“ teuer machen bzw. reinvestiert das gewonnene Budget in Verarbeitung und Ergonomie.
Der iPad ist somit auch der perfekte „Zweitcomputer“ für’s Heim. Es ist definitiv ein Gadget, ja. Aber dass es für die Mittelschicht „Luxus“ darstellen wird? Nein – dafür ist es wieder nicht teuer genug bzw. wird passend zum Weihnachtsgeschäft entsprechend im Preis sinken.
28. Januar 2010 um 16:14
“Steve Jobs’ Rede auf der gestrigen “Keynote” beinhaltete überschwängliche Worte wie “amazing”, “awful” und “exciting” in hoher Frequenz, jedes Mal erneut, wenn er eine andere Möglichkeit des iPads vorstellte.”
Meinst du “awful” oder “awesome”? Wobei “awful” auch witzig wäre.;-)
Anm.: Hoppla. Na, da hatte sich wohl der Witz in meine Fingerspitzen geschlichen. Danke.
28. Januar 2010 um 16:21
Und: Man muss auch nicht zu allem eine Meinung haben, nur weil man bloggt.
28. Januar 2010 um 16:53
Ohne Flash ist der Spaß aber einfach nur mal halb so groß. (Auch wenn draußen so ein schicker Apfel dranklebt und man fürchterlich toll und trendy ist, weil man ein iPad hat. hihi)
28. Januar 2010 um 17:46
Sehr qualifizierter Beitrag… nicht.
Btw: Es ist DAS iPad, nicht DER iPad wie bei DEM iPod. iPad sprachlich neutrum, iPod sprachlich maskulin. Danke.
28. Januar 2010 um 17:46
War ja klar, dass es nicht lange daurt, bis sichg hier der erste “Jünger” auf den Schlips getreten fühlt…
Ach ja: Ich mag so einige Apfel-Geräte wirklich gern, verstehe aber die Welle nicht so ganz, die dann imer veranstaltet wird. Und die Abschottungspraktiken, die mit den Teilen einher gehen könnte auch etwas “Umweltfreundlicher” sein.
28. Januar 2010 um 18:05
Hmm. Bin ich eigentlich schon Apple-Verweigerer, wenn ich mir einfach so ein Ding nicht kaufe? Ich frag nur, weil ich gerade meine tägliche Randgruppenmitgliedsliste updatee.
28. Januar 2010 um 19:01
Ich finde den Sketch lustig und das Video auch. Ich verweigere mich apple nicht, viel schlimmer, die Produkte interessieren mich einfach aus verschiedensten Gründen nicht.
Wenn ich was über apple höre, dann höre ich meistens nur Genöhle über kaputte I_phones, Laptops (also jetzt Macbook oder wie das heißt samt Rechtsstreitigkeiten) oder MP3Player (also jetzt Ipod oder Anverwandte) auf die man keine MP3Songs laden kann, wenn man Itunes nicht hat (haben will) usw. usw. Und das höre ich durchaus auch von Leuten, die apple eigentlich gut finden.
Ein Golf ist ja auch sooo viel besser als ein Ford/Fiat, aber trotzdem interessiert mich ein Golf nicht. Jeder soll sich das kaufen was er mag und die anderen in Ruhe lassen.
Wenn man immer erzählt, wie toll ein Apple ist, kann man sich hinterher nicht beschweren, wenn die Leute genervt sind. Insofern stellt sich da doch eher die berühmte Was war zu erst da? Huhn oder Ei? Apple-Jünger oder Apple-Jünger-Genervte?
28. Januar 2010 um 19:45
Ich merke bereits: Es verhält sich hier fast wie damals, als man sich über Lamy- gegen Pelikan-Füller stritt oder die musikalische Qualität AC/DCs gegen diejenige von Kiss aufrechnete: Der Streit dreht sich um persönliche Vorlieben.
Zugegeben: Es gibt Apple-Geräte, die durchaus benutzbar sind, aber sie sind für Ottonormalverdiener einfach nicht bezahlbar.
Beim Preis für das iPad mag das vielleicht anders sein, aber, lieber Markus, das macht es für mich noch lange nicht attraktiv (dein Kommentar liest übrigens – ganz erstaunlicherweise – fast wie ein Werbetext für das Gerät): Zum Einen müsste ich eine höherpreisige Variante wählen, aber ohne Flash (ja, ich weiß, auch dazu gibt es Für und Wider) und die mangelnde Multitaskingfähigkeit lassen es für mich eher wie einen besseren Türstopper aussehen. Dafür dann doch nicht.
Auch nicht in der nächsten Generation, wenn die Mängel behoben sein sollten. Dafür ist mir ein richtiges Notebook, das mehr kann, mehr Schnittstellen besitzt und eine echte Tastatur gleich mit dran hat, um einiges lieber.
Darüber hinaus hätte ich auch ständig Angst um die Benutzeroberfläche, dafür habe ich wohl schon zuviele zerdepperte iPhones begutschten dürfen. Aber das nur als Kleinigkeit am Rande.
Übrigens: “Man muss auch nicht zu allem eine Meinung haben, nur weil man bloggt.”
Natürlich nicht. Aber wenn man eine Meinung hat, darf man das gerne. Es scheint immerhin für eine Kontroverse gut zu sein, wie man sieht.
29. Januar 2010 um 01:16
Endlich ein Apparat, mit dem ich auf dem Klo sitzend bequem im Internet surfen kann!
Und überhaupt:
T.Rex ist 10mal besser als Sweet!
Und Flash klickten wir mit Skip Intro sowieso immer wag.
Was fehlt: Eine Saugnapf-Halterung für die Kachelwand (denn zum Hinternabwischen muss man das iPad ja leider aus der Hand legen).
3. Februar 2010 um 19:48
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