Mit gutem Gewissen mit der Masse gehen
Der Ostwestfale ist begeisterungsfähiger und motivierbarer als sein Ruf es manchmal glauben lässt. Wie ich darauf komme? Na, fassen wir einmal ein paar Ereignisse des Wochenendes zusammen:
In der Fußgängerzone fand ein „Slow-Motion“-Flashmob statt.
Hunderte von Bielefeldern machen bei einer Massenszene für den Verschwörungsfilm mit.
Zu einer Typisierungsaktion für den blutkrebskranken Jan kommen sogar einige Tausend in die Uni.
Egal, ob zum Spaß oder für die gute Sache: Die Leute bleiben nicht auf ihren Sofas sitzen.
Nun stelle man sich einmal vor, was alles möglich wäre, wenn man alle diese Kräfte bündeln könnte. Eine kleine Anregung soll hier gegeben werden.
In Berlin fand im letzten Monat der erste deutsche „Carrot Mob“ statt. Unter einem solchen kann man sich - grob gesagt - vorstellen, dass sich viele Menschen organisieren, um ein gemeinsames Ziel durchzusetzen.
Ein “Karottenmob” funktioniert nach dem Prinzip des Boykotts – nur umgekehrt: Unternehmer werden nicht durch Kaufverweigerung für ein Fehlverhalten bestraft, sondern für Leistungen im Klimaschutz und zur Nachhaltigkeit dadurch belohnt, dass möglichst viele Menschen organisiert in dem Unternehmen einkaufen.
Im speziellen Fall in Berlin äußerte sich das so, dass einzelne „Spätkaufs“ (Kioske) gefragt wurden, ob sie einen größeren Teil ihres Umsatzes, der innerhalb eines festgelegten Zeitraums erzielt werden sollte, zur Verfügung stellen würden, um damit ihren Laden umweltfreundlicher zu gestalten. Der Spätkaufinhaber, der den größten Prozentsatz investieren wollte, erhielt dann zur vorab vereinbarten Uhrzeit jede Menge Besuch von Käufern:
Das Prinzip, das hinter einem solchen „Carrot Mob“ steht, ist natürlich auf viele Bereiche übertrag- und erweiterbar. Wichtig ist vor allem der gemeinsame Konsens* über das zu erreichende Ziel. Vielleicht kommen jetzt einige Leser auf ein paar nette Ideen für Aktionen. Sollte jemand etwas in der Art planen, habe ich ein offenes Ohr dafür.
*Nachtrag: Ich betone den Konsens bewusst, da ich kurz darüber nachdachte, ob nicht die Internetmobilisierungen im Vorfeld der Arminia-Jahreshauptversammlung damit vergleichbar waren. Doch das waren sie nicht, da seinerzeit noch nicht klar war, wem die (überdies in ihrer Meinung geteilte) Menge gegenüber tritt.
(Bild: James Cridland, Lizenz)
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Geschrieben am Montag, 13. Juli 2009
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13. Juli 2009 um 17:27
Karrottenmob ist Diktatur der Massen.
13. Juli 2009 um 18:55
Mitnichten, sondern lediglich organisierte Nachfrage. Alles im Rahmen der Marktwirtschaft.
14. Juli 2009 um 11:34
Hallo nach Ostwestfalen, vielen Dank für Zitat und Link und keep up the good work! Viele Grüße aus München, Alexander Rossner
14. Juli 2009 um 15:44
@Alexander: Bitte, gern geschehen. Per E-Mail erreichte mich heute schon der erste Hinweis auf eine Carrot Mob-Aktion in Bielefeld. Ich liebe dieses Blog.
16. Juli 2009 um 17:22
Kennt jemand die Seite vom Carrotmob in Bielefeld? Konnte bisher nichts finden und versuche gerade ein Update der Carrotmobs zu erstellen: http://sebastianbackhaus.wordpress.com/2009/07/16/update-zur-carrotmob-bewegung Hinweise gerne als Kommentar bei mir im Blog hinterlassen. Danke und Grüße, Sebastian
17. Juli 2009 um 15:50
@Sebastian: Ich glaube nicht, dass für die eine, mir bekannte Aktion, extra eine Website ins Leben gerufen wird. Sollte es doch der Fall sein, gebe ich Dir noch einmal Bescheid.
22. Juli 2009 um 16:29
Einzelne Ladenbesitzer wurden gefragt und somit unterstützt. Man kann auch davon ausgehen, dass nach der Mob-Aktion vielleicht der ein oder andere Kunde bleibt.
Tja, schade, wer nicht gefragt wurde.
Ich finde das…ein kleines bisschen unfair. Je länger ich darüber nachdenke, zumindest.
30. Juli 2009 um 01:50
@ Rouven und Sebastian
Der Carrotmob in Bielefeld findet am 22. August um 10 Uhr in einem Bioladen statt. Eine eigene Webseite wird er auch bekommen: http://www.carrotmobbielefeld.de. Diese geht im Laufe der nächsten Woche online. Bis dahin gibt es erste Infos bei twitter: http://twitter.com/carrotmob_BI.
Bei jetzt.de wird übrigens die Frage aufgeworfen, ob so eine Aktion überhaupt in Bielefeld funktionieren wird: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/482023
Ich bin davon überzeugt, dass das klappt!
Also notiert euch den 22. August schon mal in eurem Terminkalender und erzählt allen Bekannten von unserer Aktion. Denn es ist für eine gute Sache und macht auch noch Spaß!
21. August 2009 um 10:51
[...] hatten wir ihn hier im “NW-Blogspot” thematisiert (siehe Link), da ist er auch schon in dieser Stadt angekommen. Nach Berliner Vorbild findet morgen in Bielefeld [...]
24. September 2009 um 14:21
[...] zeigen die Macht des klimafreundlichen Konsumenten: Sinnlos einkaufen war gestern, heute wird gewissenhaft geshoppt: Wie bereits in meinem Eco-Tipp No25 erwähnt, verbraucht die Produktion [...]