Oben Disziplin, untenrum Gefühle
Ein persönlicher Bericht
Damals, in der heimatlichen Dorfgegend, habe ich mich wie fast jeder Junge davor gedrückt, während die Mädchen immer wie wild darauf waren. Doch heute, nach vielen Jahren trat immer deutlicher die Einsicht zutage, dass man nur ein halber Mensch ist, wenn man nicht alle Kulturtechniken zumindest einmal ausprobiert hat. Und darum habe ich meinen ostwestfälischen Schweinehund überwunden, das Telefonbuch durchforstet und mich zu einem Anfänger-Paartanzkurs angemeldet.

Angespornt von der Tanzleidenschaft im weiblichen Bekanntenkreis und der Beitragsreihe „Darf ich bitten?“ beim Powerbook-Blogger „jog“ (siehe Link hier), schlugen meine Tanzpartnerin und ich gestern Abend in einer der vielen Bielefelder Tanzschulen auf und gesellten uns zunächst auf die Sitze am Rande eines größeren Tanzsaals, zwischen andere nervöse bis schüchterne Pärchen. Die Vorurteile wurden sofort ausgepackt: „Guck mal, die wollen bestimmt alle bald heiraten.“ Und offensichtlich gab es noch andere Menschen, die von sich wissen wollten, ob sie ihren sprichwörtlichen Stock aus dem Gesäß bekommen und den Westfalen-Latino in sich wecken können.

Das Tanzparkett droht
Die Tanzlehrerin erwies sich entgegen den vorab aufgebauten Befürchtungen nicht als burschikoser Drachen, sondern zeigte sich verständnisvoll, aber bestimmend. Dabei hatte sie stets einen auflockernden Spruch auf den Lippen.
Wir übten zunächst den Blues zu musikalischer Untermalung von – wie sollte es auch anders sein? – Leo Sayers „When I need you“ und gingen recht schnell zur Rumba über. „Das ist der Tanz der Liebe“, hieß es von unserer Directrice, und ergänzend: „Obenrum herrscht Disziplin, aber untenrum regieren die Gefühle“. Disziplin und Gefühle hatten bei mir aber anscheinend noch etwas interne Kommunikationsprobleme, da ich untenrum vorwiegend mit dem Zählen beschäftigt war. Aber es funktionierte dann zum Glück doch ganz gut. Irgendwann.
Nach einer gemeinschaftlichen Choreographie, bei der die Partner oft wechselten, wurden im Anschluss die Männer angewiesen, die Damen wieder zum ursprünglichen Partner zurückzubringen.
„Is dat deine?“ wies jemand fragend mit dem Finger auf meine Begleitung, ohne zu wissen, dass die gemeinte Dame hin und wieder gerne in der „Emma“ blätterte. Über das auf sie bezogene, besitzanzeigende Pronomen in seiner Frage schmunzelten wir noch heute morgen.
Der nach der Verschnaufpause geübte Langsame Walzer verschaffte mir wegen seiner Nähe zur Rumba wieder einige, technische Probleme, aber beim Cha-Cha-Cha stellte sich erstmal so etwas wie Rhythmusgefühl bei mir ein. Offenbar benötigte es dafür bei bisherigen Komplett-Tanzverweigerern ein wenig Warmlaufzeit. Der Hüftschwung trat nicht nur bei mir plötzlich in Erscheinung. „Wenn sie jetzt so weiter durch die Stadt gehen, haben sie in zwei Tagen einen Freund“, wurde einer meiner Mitstreiter und Geschlechtsgenossen gelobt.
Fazit: Alles ist beim ersten Mal gewöhnungsbedürftig, so auch der Gesellschaftstanz. Insbesondere für Leute, die sonst nur das Freistil-Gehopse von der Disko-Tanzfläche kennen. Spaß stellt sich auch erst nach einer Weile ein. Und gegen das Vergessen der Schritte bis zur nächsten Woche kann mit dem mitgegebenen Material zuhause geübt werden.
Links:
Tanzschulen in Bielefeld, Paderborn, Höxter, Gütersloh, Minden-Lübbecke, Lippe
Powerbook-Blog – Reihe “Darf ich bitten?”
Geschrieben am Donnerstag, 14. Januar 2010
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14. Januar 2010 um 15:18
Du hast Heldenmut bewiesen und du lebst noch
Die gute Tanzlehrerin ist aber auch ein wirklicher Schatz! #spreche-da-aus-erfahrung
So ab Medaillenkurs Silber oder Gold macht es dann auch wirklich Spaß. Zum Üben und Gucken, was man noch so alles lernen kann, empfehle ich die sonntägliche Tanzparty (falls es die noch gibt).
14. Januar 2010 um 15:43
Neues Wort gelernt: Westfalen-Latino. Geil, danke!
14. Januar 2010 um 16:00
Zwei Mal Gold-Star, mein Lieber. Und fünf Jahre später? Allet vergessen. Geldverschwendung.
14. Januar 2010 um 19:59
@Madita: Das zeugt von Ortskenntnis. ich wollte ganz bewusst keine Schule namentlich nennen
@AndreasK: Gern geschehen.
@Mischa: Was immer Medaillenkurse oder Gold-Star auch bedeuten. Mal sehen, wie vergesslich ich im Anschluss bin.
16. Januar 2010 um 17:15
Bin da lange Jahre ein und aus gegangen, da wird man doch wohl ein angeschnittenes Logo erkennen können
18. Januar 2010 um 14:21
Übrigens habe ich da auch zwei Jahre getanzt in der Schule