Schuppen schüppen
Die Witterungsverhältnisse bringen es mit sich, dass gewisse westfälische Verben plötzlich mit deutlich höherer Frequenz als sonst verwendet und wahrgenommen werden. Da es nämlich in deutschen Städten und Gemeinden durchaus vernünftigerweise üblich ist, die Hausbesitzer und -bewohner auf ihrem jeweiligen Gehsteig zum Schneeräumen zu zwingen, ist in OWL allerorten (wie hier im Blog “teutona.de”) vom “Schüppen” die Rede.
Die Variation von der “Schippe” (für standarddeutsch “Schaufel”) scheint nur zu deutlich zu sein. Selbst die Wikipedia weist auf diese sprachliche Verwandtschaft hin (siehe Link hier).
Eine viel schönere – wenn auch frei erfundene – Ableitung wäre aber die folgende: Der Bielefelder Autor Sacha Brohm mag Schnee nicht sonderlich gerne. Kürzlich bezeichnete er ihn sogar als die “Schuppen des Teufels” (siehe Link hier). Von den Schuppen ist der linguistische Schritt nicht weit zur Verkleinerungsform “Schüppchen”. Hieraus nun ein Verb zu bilden, dürfte nicht weiter schwer fallen. Wie allerdings die Tätigkeit des Schneeräumens nun als Bedeutung hinter die Worthülse kommt, bleibt der Phantasie der Leser überlassen. Wie geschrieben: Es handelt sich um eine erfundene, aber schönere Ableitung. Ein Vorschlag sozusagen.
Vorschläge und kurzfristige Neubildungen setzen sich sprachlich nur in den wenigsten Fällen durch. Als ich in meinem Bekanntenkreis den besonderen Status des “Schüppens” ansprach, begegnete mir aber gesundes, westfälisches Selbstbewusstsein. Es hieß hierzu: “Es wird Zeit, dass sich das endlich mal durchsetzt!”
Also: Lasst uns weiter schüppen!
Auf eine weitere Hauseigentümerpflicht wies die Stadt Bielefeld heute noch einmal hin (siehe Link hier): Das Tauwetter begünstigt an den Dachrinnen die Entstehung von Pracht-Eiszapfen, die auf den Köpfen darunter herspazierender Fußgänger zu wahren Horrorfilm-Leistungen imstande sind. Das hat zur Folge, dass sicherheitsbewusste Menschen derzeit nicht nur auf den glatten Boden achten, sondern auch ihre Augen in die Höhe richten müssen und gegebenenfalls im Zickzack-Kurs die Straßenseiten wechseln. Auch für ein Zuspätkommen aus diesem Grund müssen Arbeitgeber in der Regel kein Verständnis beweisen.
Hier ein kleines Eis-Killer-Panoptikum vom heutigen Tag:






NW-Artikel:
Die Gefahr droht von oben
Links:
teutona.de – Schnee beherrscht auch das Kalletal
sachabrohm.de – Ok, diese ganze Schneesache…
Geschrieben am Montag, 11. Januar 2010
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11. Januar 2010 um 20:13
Na, da hat der Winter doch mal was wirklich Hübsches verzapft.
11. Januar 2010 um 21:26
Ach, der werte Herr Svähän! Wie sehr ich doch manchmal Ihre ausgeklügelten Wortspiele vermisse…
12. Januar 2010 um 12:45
Helm tragen!
Und Anti-Schuppen-Mittel verwenden.