Jung zum ZDF-Chefredakteur

Nachdem der Bundesarbeitsminister Franz-Josef Jung seinen Rücktritt erklärt hatte, drehte sich das Personalkarussel der CDU kräftig (siehe NW-Artikel hier und hier). Überraschenderweise übernimmt ab Montag Ursula von der Leyen das Arbeitsministerium. Für sie wiederum übernimmt die bisher wenig in Erscheinung getretene Kristina Köhler das Familienressort.
Die Blogger der Region sprechen zu diesen turbulenten Umständen viele Dinge aus, die andere vielleicht nur denken. “Almabu” aus Detmold hält den Jung-Skandal für nur ein Symptom von vielen der ersten vier Wochen Schwarz-Gelb. Erst als Jung seine Fehler vor dem Bundestag einräumte, hätte sie hierzu reagiert. Zitat:
Jetzt war er reif und erst jetzt erkannte wohl auch Merkel, dass der Skandal eigentlich ihr Skandal war und sie reagierte schnell um ihre Haut zu retten! Wie Kaninchen aus dem Hut zog sie Zensursula von der Leine und Kristina Köhler, eine junge Hessin wegen dem Regionalproporz, hervor und präsentierte sie als neue Arbeits- und Familienministerinnen. [...] Daneben glimmt die Lunte am Sprengsatz Steinbach munter weiter. Auch hier sind Merkel die Zügel entglitten. Lieber geht sie auf Reisen, hält wohlklingende aber uns trotzdem bindende Reden und macht Symbol-Politik mit Frankreich und Israel. [...] Sie hat vor gut vier Wochen einen Eid geleistet, Schaden vom deutschen Volk abzuhalten. Schon vergessen, Merkel?
Thomas freut sich bei “ich-partizipiere.de” auf die zynische Art. Er hat den Internet-Spitznamen der Noch-Familienministerin nicht vergessen und denkt ebenfalls an den Hessen-Proporz. Allerdings auch im Hinblick auf aktuelle Geschehnisse beim ZDF (siehe NW-Artikel hier). Zitat:
Wird ja grad viel rotiert: Jung ist nun weder Verteidigungs- noch Arbeitsminister, Zensursula ist nun nicht mehr für Familie und Gedöns, sondern für Arbeit zuständig. Irgendwer ist nun für Familie zuständig. Ok soweit.
Doch halt! Was machen wir denn nun mit dem Jung? Ah, ich hab’s: Der wird ZDF-Chefredakteur! Wer Arbeit und Verteidigung kann, der kann auch ZDF-Chefredakteur. Und außerdem kommt der doch gut mit dem Koch klar.
So unwahrscheinlich und skurril der Gedanke an einen ZDF-Chef Franz-Josef Jung sein mag, die Neubesetzungen der Ministerien sind Realität. Das Magazin “Der Spiegel” hält die Wahl von Ursula von der Leyen nicht allein deshalb für glücklich, weil sie bisher Geschick bewiesen habe, sondern auch, weil sie beliebt ist (siehe hier). Den Bielefelder “Salid” verwundert diese Auffassung. Zitat:
Ob der Spiegel-Redakteur noch nichts davon gehört oder gelesen hat, das Mrs. von der Leyen ziemlich unbeliebt ist?
Damit meint Salid sicherlich den Streit um die geplanten und immer noch nicht umgesetzten Internetsperren (siehe Blogbeiträge hier und hier). Das Gesetz hierzu entstand auf Initiative von Ursula von der Leyen und erst heute verweigerte Bundespräsident Horst Köhler dessen Unterzeichnung (siehe NW-Artikel hier).
Apropos Köhler: Für die Qualifizierung der künftigen Familienministerin Kristina Köhler findet Carsten in seinem Blog keine warmen Worte (siehe Link hier). Darüber hinaus hatte er sie bereits im Frühjahr in seinem Nebenprojekt Twinterview, mittels der 140 Zeichen-Nachrichten per Twitter befragt (siehe Link hier). Außerdem erinnert Carsten daran, dass Köhler bereits einmal größere Bekanntheit erlangte: Als Unterstützerin von Roland Kochs Wahlkampagne gegen “kriminelle Ausländer” im Januar 2008 (siehe Link hier).
NW-Artikel:
Nach Jung-Rücktritt: von der Leyen wird Arbeitsministerin
Im Wortlaut: Die Rücktrittserklärung
Kritik an Ablösung des ZDF-Chefredakteurs nimmt zu
Köhler stoppt Internet-Sperrengesetz vorerst
Anderswo:
almabus Blog – Merkel stolpert von Krise zu Krise!
ich-partizipiere.de – Einmal Adenauerfernsehen, immer Adenauerfernsehen
Salid and his World – “Blinder” Spiegel-Online-Redakteur
Too much information – Merkels Kommentar zur Nominierung von Kristina Köhler; Kristina Köhler und die Deutschfeindlichkeit
Twinterview – Kristina Köhler über Politikersein und Sicherheit
Geschrieben am Samstag, 28. November 2009
Abgelegt unter Uncategorized.
Diskussion zu diesem Beitrag per RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können diesen Beitrag kommentieren oder einen Trackback von Ihrer eigenen Webseite setzen.


28. November 2009 um 23:10
Was soll eigentlich dieses umständliche “(siehe Link/Blog/sonstwas hier)”? Verlink doch einfach die entsprechenden Wörter im Satz.
Ist auch in Sachen Barrierefreiheit sinnvoller, den läßt man sich in einem Vorleseprogramm nach dem Vorlesen des Artikels dann noch die weiterführenden Links vorlesen (um eventuell die eine oder andere Quelle zu besuchen), hat man keinen Kontext mehr und darf nur noch zwischen “(siehe Link hier)”, “(siehe Link hier)”, “(siehe Link hier)” und “(siehe Link hier)” auswählen, was natürlich mal gar nichts aussagen. Siehe zum Beispiel http://www.w3.org/TR/WCAG10-HTML-TECHS/#link-text “If more than one link on a page shares the same link text, all those links should point to the same resource. Such consistency will help page design as well as accessibility.”
28. November 2009 um 23:46
Oh, auf die Frage habe ich gewartet. Ich habe es erst so gemacht wie Du es vorgeschlagen hast.
Aber dann kam aus der Redaktion der Einwand, falls jemand hier läse, der nicht mit den üblichen Bloggebaren vertraut sei, für den solle ich den Link extra wie oben ausweisen. Ich gebe Dir auch recht, doch ich kann es mir nicht aussuchen.
29. November 2009 um 01:37
SPIEGEL ist dank Springer auch Teil der Propagandapresse geworden.
1. Dezember 2009 um 12:50
Oh my. Dann sitzen in der Redaktion ja wirklich Altmedianer, die das Internet nur vom Ausdruck kennen.
Jeder, der hier liest (also im Web), wird zwar nicht unbedingt was von Blogs verstehen, aber doch sicherlich einen Link erkennen – okay, die sind hier zwar nicht blau und unterstrichen, aber immerhin NW-rot und heben sich damit vom normalen Text ab.