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Fear and Loathing in Paderborn01. September 2010

Als Taxifahrer macht man was mit. Und der Taxi-Blogger Torsten erlebt offenbar auf seinen Touren in Paderborn manchmal Dinge, die sich selbst mit schlimmsten Exzess-Szenen aus dem Film “Fear and Loathing in Las Vegas” messen können. So hatte er jüngst drei Briten als Fahrgäste und er bemerkte erst spät, dass sich die beiden, die im Fond saßen, etwas zu Essen mitgebracht hatten. Außerdem übergab sich einer der beiden während der Fahrt aus dem geöffneten Fenster. Torstens Kontrolle nach Beendigung der Fahrt ergab: “Nicht ein Spritzer am Lack.”

Stattdessen machte er eine andere Entdeckung:

Dafür hatte die Drecksau die Gummifußmatte als Teller benutzt. Pommes mit Mayonnaise, weiträumig verteilt und offensichtlich direkt daraus weitergegessen. Die Fingerspuren in der Mayonnaise waren sehr eindeutig…

Diese Gummimatten werden branchenintern auch gerne als “Kotzmatten” bezeichnet. Genau dafür sind sie da, dort können literweise Körperflüssigkeiten aufgefangen werden und können dann mit Hochdruckreiniger wieder in vernünftigen Zustand zurückversetzt werden.

Selbstverständlich kam es zum Konflikt. Aber wer bis hierhin beim Lesen mit starkem Magen durchgehalten hat, sollte unter folgendem Link einmal nachsehen, wie einer der Briten die kleine Auseinandersetzung löste. Denn das ist ebenfalls filmreif:

Taxi-Blog.de – Die Entstehung der Arten

(Bild: xjrlokix, Lizenz)

Detmold als Kulisse in Ulrich Hoffmanns Musikclip31. August 2010

Das Detmold-Blog verweist heute voller Stolz auf das neue Musikvideo von Ulrich Hoffmann, der seines Zeichens Sänger und laut eigener Homepage der “Frank Sinatra des Ostens” ist. Im Video singt er sein Lied “Meine Heimat, meine Stadt” und nach der Youtube-Beschreibung handelt es sich dabei um Hoffmanns “wohl einfühlsamsten Song”.

Als Kulisse für das Video wurde dafür die Stadt Detmold und die Externsteine gewählt. Und tatsächlich: Es ist eine wahre Augenweide, und ein Ohrenschmaus dazu. Aber bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil, liebe Leserinnen und Leser:

Youtube-Direktlink

Zwischenräume im Bielefelder Westen30. August 2010

Wenn ich wie heute durch den Bielefelder Westen spaziere, betrachte ich mir nicht nur gerne die Häuser (wobei das hier zu meinen liebsten zählt), sondern auch die anderen Dinge dazwischen. Besonders zwischen den großen, freistehenden Mehrfamilienhäusern gestalten die Mieter und Eigentümer den Raum höchst individuell. Oder sie lassen das Grün einfach wachsen, ich vermute, aus einem ausgeprägten ökologischen Bewusstsein heraus.

Von der Straße aus betrachtet, gewähren die Lücken auch oft einen Blick in die Dinge hinter den Gebäuden, wo jede Menge Höfe mit weiteren Gärten und Bäumen angedeutet sind. Das macht diese Zwischenräume zu einem doppelten Übergang mit reichlich Potential für melancholisch-literarische Betrachtungen oder künstlerische Fotostrecken.

Fotografie-Studierende oder Kunstwissenschaftler dürfen sich gerne durch meine kleine Fotoauswahl angeregt fühlen.

(zum Vergrößern jeweils anklicken)

Nicht unproblematisch: Facebook Orte (“Places”)30. August 2010

In der jüngsten Vergangenheit ist das Soziale Netzwerk Facebook nicht gerade zimperlich im Umgang mit den Privatsphäre-Einstellungen gewesen (siehe zum Beispiel Blogbeitrag hier). So hat die Firma zuletzt im Frühjahr nach Protesten zurückgerudert und ihre komplizierten Einstellungen wieder vereinfacht.

Seit heute gibt es innerhalb von Facebook wieder eine Neuheit, die nicht ganz unproblematisch ist: In Deutschland wurde “Facebook Orte” (bzw. “Places”) freigeschaltet, womit das Netzwerk zu den geobasierten Diensten aufrückt.

Wer ein Smartphone benutzt, kennt vielleicht die Dienste Foursquare, Gowalla, Yelp oder Booyah. Über diese kann der Nutzer seinen mit ihm vernetzten Freunden mitteilen, wo er sich im Moment des Sendens der Nachricht gerade befindet. Und diese Nachrichten können ebenfalls mit Twitter verbunden werden. Und jetzt auch mit Facebook. Hier ein Beispiel, wie das aussehen könnte:

Ich war natürlich nicht in San Francisco. Das ist ein facebookeigenes Beispiel.

Das Problem daran ist – und das ist neu – , dass die Nutzer dieser Dienste darüber hinaus auch angeben können, welche ihrer Facebook-Freunde ebenfalls an diesem Ort sind, obwohl die das vielleicht gar nicht wollen. Und da gäbe es einige Situationen, in denen das der Fall sein könnte: Vom Ehemann, der seiner Frau von einem ganz anderen Aufenthaltsort erzählt hat bis zum Arbeitnehmer, der nicht will, dass sein Chef weiß, wo er ist.

Um das zu verhindern, müssen die Nutzer selbst aktiv werden. Im Menüpunkt “Konto” unter “Privatsphäre-Einstellungen” den Bereich “Benutzerdefinierte Einstellungen” aufsuchen und folgende, rot markierte Abschnitte genau beachten:

Die Einstellungen der ersten beiden Punkte sollten allen Nutzern selbst überlassen bleiben. Nur der letzte ist standardmäßig auf “Aktiviert” eingestellt und gestattet Dritten, den Aufenthaltsort anzugeben.

Ich persönlich habe dort nun “Gesperrt” angegeben.

Mehr Infos:
Spiegel Online – Lokalisierungsdienst Places: Facebook spinnt das Hier-bin-ich-Netz

Uuurig28. August 2010

Funny van Dannen sang einmal, dass er “Uruguay” für ein schönes Wort halte, und zwar deshalb, weil darin “drei U auf engstem Raum” vorkämen. Es geht aber noch enger, wie dieses Schild einer Bielefelder Kneipe beweist.

Und wegen dem “dufte” haben hier übrigens gerade die siebziger Jahre angerufen: Die wollen ihr Wort zurückhaben.

Was mehr Aufmerksamkeit als Google Street View verdient25. August 2010

Die Kritik an Googles Dienst Street View ist nach wie vor ungebrochen und es ist beinahe zu erwarten, dass beim deutschen Start für die 20 größten Städte viele Häuser verpixelt sein werden. Viele Internetnutzer wundern sich währenddessen darüber, weshalb der Ärger der Einwohner ausgerechnet gegenüber diesem Dienst so hohe Wellen schlägt. Schließlich gibt es parallel dazu Einschnitte in Freiheiten und Rechte, die wesentlich gravierender, aber anscheinend vielen nicht so bewusst sind.

Darum an dieser Stelle eine kleine Aufstellung von Verfahren, die vorwiegend von staatlicher Seite in die Wege geleitet, beabsichtigt oder bereits umgesetzt wurden.


Auf der Demo “Freiheit statt Angst” in Berlin am 12. September 2009 (siehe Blogbeitrag hier). Bild: Matthias Hornung

Vorratsdatenspeicherung

Seit dem 1. Januar 2008 wird in Deutschland eine EU-Richtlinie umgesetzt, nach der alle Telekommunikationsanbieter verpflichtet sind, Verbindungsdaten für Telefon und Internet sechs Monate lang „auf Vorrat“ zu speichern. Und zwar “anlasslos”. Dies soll die Verfolgung von Straftaten erleichtern.
Nicht, dass hier Missverständnisse aufkommen: Es wird nichts inhaltliches gespeichert, sondern lediglich Ruf- bzw. IP-Nummern und die Verbindungsdauer.
Viele Kritiker sehen darin aber dennoch eine Freiheitsberaubung. So wirke allein das Wissen darum, dass die Verbindung gespeichert werde, hemmend auf freie ungezwungene Kommunikation. Außerdem meinen einige Skeptiker, dass die große Menge an gespeicherten Daten schnell zu Missbrauch verleiten könnte.
Am 2. März 2010 erklärte das Bundesverfassungsgericht das Gesetz in Teilen für verfassungswidrig. In seiner Urteilserklärung legte es aber nur die Daumenschrauben für den Zugriff auf die Daten etwas fester an. Nur bei schweren Straftaten und mit der Einwilligung eines Ermittlungsrichters könne darauf zugegriffen werden. Die Speicherung auf Vorrat selbst sei aber in Ordnung (Link: Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung).

Internetsperren

Im April 2008 machte die Noch-Familienministerin Ursula von der Leyen von sich Reden, indem sie Internetsperren für Seiten mit kinderpornographischen Inhalten forderte. Sie hatte seinerzeit nicht damit gerechnet, dass sich daraufhin ein Sturm der Entrüstung gegen sie auflehnte und ihr den Spitznamen „Zensursula“ bescherte. Kritiker meinten schnell, Internetsperren seien Quatsch und leicht zu umgehen. Hingegen sei das Löschen solcher Seiten viel effizienter. Und tatsächlich: Eine Kinderschutzorganisation zeigte, dass sie mit Hinweisen an die Anbieter von Servern innerhalb von acht Stunden kinderpornografische Seiten löschen lassen konnte (siehe Link hier).
Das “Zugangserschwerungsgesetz” wurde dennoch auf den Weg gebracht. Kritik gibt es auch nach wie vor gegenüber dem Verfahren. So soll das BKA täglich Listen mit zu sperrenden Seiten zusammenstellen und an die Telekommunikationsanbieter weiterleiten. Da laut Gesetz sonst niemand Einblick in diese Listen haben soll, bestünde die Gefahr, dass auch legale Seiten zensiert werden.

Interessant ist hieran außerdem noch, dass sich die neue Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP nach der Unterzeichnung des Gesetzes durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler dazu entschloss, die Anwendung des Gesetzes für ein Jahr auszusetzen. Es sollte erst geprüft werden, wie erfolgreich stattdessen Löschungen sind (und das BKA zeitigt hierbei Erfolge, siehe hier).
Damit wäre dies das erste, rechtskräftige Gesetz, das nicht umgesetzt wird. Was rechtlich ebenfalls problematisch ist.

SWIFT

“SWIFT” ist zunächst einmal nur die Abkürzung für “Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication” und bezeichnet ein internationales Banken-Kommunikationssystem, nicht nur zum Austausch von Finanztransaktionen, sondern auch zum bloßen Nachrichtenverkehr zwischen den weltweit verteilten Finanzhäusern.
Seit den Terroranschlägen in den USA im September 2001 übermittelt SWIFT vertrauliche Daten an die US-Geheimdienste, und zwar über internationale Überweisungen (siehe Link hier), mit der Begründung des “Kriegs gegen den Terror”.
Seit dem 1. August 2010 ist ein Abkommen der EU-Kommission in Kraft, wonach ein EU-Beamter die Auswertung der europäischen Daten im US-amerikanischen Finanzministerium übernimmt. Darüber hinaus will die EU in den nächsten fünf Jahren ein eigenes Überwachungssystem für den europäischen Zahlungsverkehr einführen (siehe Wikipedia-Artikel).

ELENA

“ELENA” ist die Abkürzung für “Elektronischer Entgeltnachweis” und firmiert auch als “JobCard”. Ziel ist es, Anträge auf Sozialleistungen schneller bearbeiten zu können und dadurch auch Personalkosten zu sparen. Die Umsetzung sieht aber wie folgt aus: Seit 1. Januar 2010 sind Arbeitgeber verpflichtet, jeden Monat einen Datensatz über jeden seiner Arbeitnehmer an eine zentrale Speicherstelle zu übermitteln. Möchte ein Arbeitnehmer ab dem Jahr 2012 Sozialleistungen beantragen, muss er zunächst eine sogenannte Signaturkarte anfordern. Erst wenn diese Karte zum Beispiel bei der Arbeitsagentur vorgelegt wird, kann der jeweilige Sachbearbeiter prüfen, ob Ansprüche bestehen.

Der Bielefelder Datenschutzverein Foebud listet hier auf, welche Daten die Arbeitgeber übermitteln bzw. gespeichert werden:

* Bruttoentgelt und Steuerklasse
* Kinderfreibetrag
* Angaben zur Tätigkeit, wöchentliche Arbeitszeit
* Renten-, Sozialversicherungs-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherungabzüge
* Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer
* Name und Anschrift, Geburtsort, -datum und -name
* Angaben zu Arbeitgeber und Betrieb
* Anzahl, Beginn und Ende sowie „Arten“ von Fehlzeiten (z.B. Krankheit, Mutterschutz, Pflegezeit, Elternzeit, Wehrdienst/Zivildienst, usw.)
* Höhe und Art sonstiger steuerpfl. Bezüge (Weihnachts- u. Urlaubsgeld, zusätzl. Monatsgehälter, Gratifikationen,Tantiemen, Urlaubsabgeltungen, Abfindungen …)
* Höhe und Art von steuerfreien Bezügen (z.B. Pensionskasse-Zuwendungen durch den Arbeitgeber, Kurzarbeitergeld, steuerfreie Fahrtkostenzuschüsse, Zuschüsse bei Mutterschaft usw.)
* Zeitpunkt des Beginns sowie voraussichtliches und tatsächliches Ende einer Ausbildung
* Arbeitgeber-Zuschuss zur freiwilligen Kranken- und Pflegeversicherung
* Grund von Arbeitszeitänderungen
* Arbeitsstunden – aufgeschlüsselt in Arbeitsstunden jeder einzelnen Kalenderwoche des Monats
* Urlaubsanspruch und tatsächlich genommene Urlaubstage, Urlaubsentgelt
* Angaben zu befristeten Arbeitsverhältnissen
* Angaben zu Entlassungen und Kündigungen
* Auskunft über bereits erfolgte Abmahnungen im Vorfeld von Kündigungen
* Schilderung von „vertragswidrigen Verhalten“ des Angestellten/Arbeiters
* Vorruhestandsleistungen und -gelder, Abfindungen

Die Kritik richtet sich vornehmlich gegen die große Fülle an gespeicherten Daten und die Angst davor, wer alles darauf Zugriff hat. Eine Verfassungsbeschwerde wurde auch hierüber am 31. März 2010 eingereicht (siehe NW-Artikel hier).

Volkszählung “Zensus” 2011

Von der Volkszählung, die im Mai nächsten Jahres durchgeführt werden soll, ist relativ wenig in der Presse zu lesen. Das mag daran liegen, dass nicht alle Einwohner direkt befragt werden, sondern nur eine Stichprobe von maximal zehn Prozent. Daneben werden für ein Register 17,5 Millionen Immobilienbesitzer über ihre Häuser und Eigentumswohnungen befragt. Die restlichen Daten werden gewonnen, indem sie aus zahlreichen Quellen wie den Registern der Meldeämter oder der Bundesagentur für Arbeit zusammengeführt werden.

Der “Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung” listet an dieser Stelle auf, wo die Probleme hierbei liegen:

* Ein Viertel bis ein Drittel aller in Deutschland ansässigen Personen werden zu Zwangsbefragungen aufgesucht und müssen im Einzelfall “Erkundigungen” im familiären und nachbarschaftlichen Umfeld dulden.
* Sensible persönliche Daten werden aus zahlreichen Quellen ohne Ihre Einwilligung zusammengeführt. Die Daten von Meldeämtern und Behörden werden somit zweckentfremdet.
* Die Zuordnung der zusammengetragenen Daten, also auch der Antworten aus den Fragebögen ist über eine jedem Einwohner und jeder Wohnadresse zugeordneten Nummer möglich. Eine eindeutige, gemeinsame Ordnungsnummer hatte das Bundesverfassungsgericht 1983 ausdrücklich verboten.
* Die Erhebung ist nicht anonym, da Rückschlüsse auf Ihre Identität möglich sind, solange diese Daten existieren. Aus technischer Sicht betrachtet entsteht ein zentral verfügbares Personenprofil aller in Deutschland ansässigen Personen.
* Die zentrale Verfügbarkeit der Personenprofile weckt Begehrlichkeiten. Die Datenschutz-Skandale der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das Missbrauchspotenzial einmal angelegter Datensammlungen enorm ist.
* Die Abfrage der Daten laut deutschem Zensus-Gesetz geht über den von der EU geforderten Umfang hinaus, z. B. das Merkmal der Religionszugehörigkeit und die (freiwillige) Frage zur Weltanschauung und zum Glaubensbekenntnis, die insbesondere muslimische Glaubensrichtungen besonders differenziert. So ließe sich zum Beispiel eine Liste von Muslimen in Deutschland erstellen, die ihre Religionszugehörigkeit angegeben haben.

Und vielleicht noch…
Netzneutralität

Kein einfaches Thema, aber hochaktuell. Versuchen wir es ganz simpel: Jede und jeder hat sich schon einmal darüber geärgert, wenn die DSL-Verbindung lahmt, obwohl doch vertraglich eine stramme Bandbreite vereinbart war. Bekommt vielleicht der Nachbar, der Internet-TV bestellt hat und dafür mehr zahlt, Vorrang in der Datenlieferung? Wissen tut das niemand so genau. Und das ist einer der Ansätze der Initiative “Pro Netzneutralität”, die fordert, dass jeder Internetnutzer “künftig seine Emails, Dateien oder digitale Werke schnell, barriere- und diskriminierungsfrei transportieren” kann. Und zwar nicht nur derjenige, der es sich leisten kann (siehe Definition hier). Die Gefahr von Bevorzugung im Netz besteht tatsächlich:

Die Netzwerktechnologie ermöglicht es heute, Datenpakete, welche vom Sender zum Empfänger via Netzprovider gesendet werden, eine Vor- oder Nachrangigkeit zuzuteilen. Damit werden bestimmte Daten schneller oder langsamer transportiert. Die Telekommunikationsunternehmen wollen dadurch die Qualität, Schnelligkeit und Transportfähigkeit zu einem neuen Geschäftsfeld – auch vor dem Hintergrund des nur langsam vorankommenden Netzausbaus – entwickeln.

Das darf in einem Medium, das ursprünglich der freien Kommunikation und Meinungsbildung diente, nicht weiter ausufern. Hier gibt es eine Petition zum Unterzeichnen für die Gewährleistung von Netzneutralität. Blogger Markus Beckedahl hält seine Leser auf netzpolitik.org hierzu auf dem Laufenden. Die große Frage ist: Wird das Netz dem sich selbst regulierenden Markt überlassen oder braucht es dafür Vorgaben vom Staat? So wie in Finnland, wo der Internetzugang (mit DSL 1000) inzwischen ein Grundrecht ist?

All diese Vorhaben verdienen deutlich mehr Aufmerksamkeit als sie bisher bekommen. Die Vorstellung ist mindestens gruselig, all die Einschränkungen würden umgesetzt und jemand hätte aus einer hohen Position heraus Zugriff auf all die Datensammlungen.

Selbstverständlich ist das für jemanden, der sein Haus nicht bei Google Street View sehen will, kein Grund, auch weiterhin gegen die Fassadenansichten im Internet zu sein. Ich liefere sogar gerne eine Entkräftigung meines eigenen Arguments: Schlechtes wird nicht dadurch besser, wenn man es mit noch schlechterem vergleicht.

Aber das zieht auch nur dann, wenn man Street View schlecht findet. Und das ist (davon bin ich mittlerweile beinahe überzeugt) fast eine reine Glaubensangelegenheit.

Drei Meter große Biertrinker unterwegs in Bielefeld22. August 2010

Gesehen an der Stapenhorststraße, Nähe Ecke Weststraße.

Bielefeld will nicht in Street View erscheinen17. August 2010

Bielefeld gilt im Scherz als “die Stadt, die es nicht gibt”. Der Witz, der bundesweit bekannt ist, wurde inzwischen mit der “Bielefeld-Verschwörung” verfilmt. Und allen Einwohnern ist diese Verschwörung bekannt, manche machen den Scherz mit, einige andere nervt sie mittlerweile wie ein Ziehen am Zahn.

Fast tut es mir leid, ein Thema anzusprechen, das damit nicht unmittelbar in Zusammenhang steht. Auch weil es derzeit so oft Erwähnung findet. Aber der Ratsbeschluss vom 28. Januar 2010, wonach “Aufnahmen der Stadt für den Dienst Google Street View generell nicht erwünscht sind” (siehe Link hier), ist seit heute zu überregionaler Bekanntheit gelangt. Und drei Mal dürfen die werten Leserinnen und Leser hier raten, womit dieser Ratsbeschluss in Verbindung gebracht wird.

Ganz genau: Bielefeld will nicht existieren… auf Google Street View! So betitelt Nerdcore-Blogger René (Platz 2 der deutschen Blogcharts) seinen Beitrag hierzu, wenn auch auf Englisch (siehe Link hier).

René wurde überhaupt erst auf diesen Umstand aufmerksam durch den Tweet von Bielefelder Twitterer “BuzzEins“:

Und allein durch diese beiden Multiplikatoren hatte Bielefeld heute erstaunlich viel Aufmerksamkeit im Internet. Es hat zwar nicht bis in die “Trending Topics” bei Twitter gereicht, doch die Scherzrate war spürbar hoch. Unter anderem twitterte der “Revolvermann”:

Und Markus Beckedahl (netzpolitik.org) hatte einen Verdacht:

Der Link in Beckedahls Tweet führt übrigens auf einen Beitrag im “Notizblog” des Kölners Torsten Kleinz (zum Vergrößern anklicken)

“mspro” geht es hierbei aber wie nicht wenigen Bielefelder Einwohnern:

Zumindest dürfte als sicher gelten, dass die Webseiten der Stadt Bielefeld heute ungewöhnlich viel Besuch hatten. Währenddessen ist die örtliche Bloggerwelt rund um den Google-Dienst zwiegespalten. Zwei Beispiele hier:

Pro bei Stefan: Ich will Street View in Bielefeld!
Kontra bei “Out Of Schildesche”: Ist der Bielefeld-Beweis durch Google Street View auch nur eine Legende?

Den heutigen Internet-Tag mit der vermeintlichen Bedeutung der Teuto-Metropole hatte dann auch der Noch-Bielefelder und Bald-Berliner Autor Mischa Verollét dazu genutzt, ein altes Gedicht herauszukramen und zu aktualisieren. Nachzulesen ist es im Blog “Amy&Pink“:

Ein Google StreetView-Gedicht
Die Wahrheit über Bielefeld

Am Hang des schönen grünen Teuto liegt eine Stadt, dafür bekannt, dass sie trotz Autobahnbeschilderung bis heute niemand wirklich fand. Schon seit Jahrzehnten heißt es unkend, erzählt man sich von jenem Ort, dass dorthin viele Wege führten, aber sei man da, so sei er fort. Als hab’ es ihn niemals gegeben, als sei er Lüge, dreister Trug, als sei er Täuschung, doch in Wahrheit ist das zwar Unsinn, aber klug. Denn dort, wo Menschen Orte wähnen, die es laut Streetview gar nicht gibt, verbirgt sich gern mal Utopie, die die Neugierde gar nicht liebt….

Weiterlesen hier

P.S.: Der von Jeriko, der ist auch gut.

Suchmaschine Bing heute mit den Externsteinen16. August 2010

Spätestens seit der Street View-Diskussion haben wir gesehen, dass es reichlich Vorbehalte gegen den Internet-Konzern Google gibt. Dabei gibt es viele Alternativen, auch für die einfache Suchfunktion. Eine der vielen Optionen heißt Bing von Microsoft.

Dort gibt es außerdem jeden Tag ein neues Hintergrundbild. Und heute, am 16. August 2010, liefert uns Bing ein großes Bild der Externsteine in Horn-Bad Meinberg.

Einfach mal gucken.

[gefunden bei serifenlos.de]

Bielefelds schönste Ecken15. August 2010

Auch zu später Stunde hat das Innere der Regionalhauptstadt noch viel für den Ästheten zu bieten. Der Fußgänger muss nur die Augen aufhalten. Diese Komposition aus Beton-Dreiecken hier zum Beispiel, die sich an der Ecke Niederwall/ Marktstraße vor dem Verkehr schützend um einen Verteilerkasten gesellt.

Lauter 180 Grade, die sich – zumindest die Anordnung der großen Steine – zusammen wieder zu einem Dreieck fügen. Wurden mit dem dortigen Design etwa Außerirdische beauftragt? Ich werde gleich morgen früh Erich von Däniken kontaktieren, um Aufschluss zu erhalten.


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